Karfreitag in Perpignan
Karfreitag in Perpignan – jedes Jahr an Ostern, am Karfreitag, kehrt in Perpignan das Mittelalter zurück.
Am Karfreitag verwandeln sich Perpignans Strassen in die Karfreitags-Kulisse für 600 gestandene Männer, vom Metzger an der Ecke bis zum Bankdirektor, die völlig freiwillig in eine düstere Verkleidung steigen.
Die Männer in Perpignan verstecken den Bauch unter einer schwarzen oder roten bodenlangen Kutte, ziehen dunkle Handschuhe an und stülpen sich die Capatrutxa (sprich: Capatrutscha), eine Spitzkappe mit zwei furchterregenden Sehschlitzen, über den Kopf.
Danach sehen sie aus wie Mitglieder des amerikanischen Ku-Klx-Klan und sind doch nur Angehörige einer friedlichen und sozial angagierten „Confrérie de la Sanch“, einer christlichen Busbruderschaft mit uralter Tradition.
Man führt die Wurzeln dieser Bruderschaft, die hier am Karfreitag in Perpignan ihren grossen Auftritt hat, auf den katalanischen Dominikanerprediger Vincent Ferrier zurück, den eine Missionsreise im Jahr 1415 nach Perpignan führte, wo seine flammenden Reden- wie auch an anderen Orten – die Menschen in spontanen Prozessionen zusammenkommen liessen.
Schon 1416 rief man in der Kirche St. Jaques zur Erinnerung an den Prediger und nach spanischem Muster die „Bußbruderschaft vom kostbaren Blut des Herrn Jesus Christus“ ins Leben, die sich fortan um soziale Randgruppen kümmerte.
Die Gegensätzlichkeit in der heutigen Beurteilung der Karfreitagsprozession in Perpignanhat zweierlei Gründe: Zum einen machten sich die Blutsbrüder zur Zeit der Inquisition zu Handlangern kirchlicher Folterknechte, weil sie zu Tode Verurteilte zum Schafott begleiteten – in Gewändern, die in fataler Art und Weise der Henkerskleidung ähnelten. Zudem nahm die Bruderschaften immer stärkere Züge eines Geheimbundes an, dessen Mitglieder versuchten, sich durch blutige und verstümmelnde Selbstgeisselungen in Gefühlszustände zu beringen, die denen des Erlösers vor dessen Tod nahe kommen sollten. 1777 wurde die Brruderschaft verboten, auch weil politisch-religiöse Untergrundtätigkeit von der Regierung befürchtet wurde.
1950 rief man die Sanch-Bruderschaft ins Leben zurück, etablierte ihre Zentrale in Castillet und dehnte die Karfreitagsprozession über das Viertel St. Jaquers bis zur Kathedrale St.-Jean aus.
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