Katharer in Südfrankreich
Der Katharismus als eine religiöse Bewegung innerhalb des Christentums verbreitete sich im 12. / 13. Jh. in Frankreich vor allem in den südlichen Regionen - Languedoc-Roussillon und Midi-Pyrénées, aber auch in Italien, Spanien und Deutschland. Weit verbreitet für die Katharer in Südfrankreich ist auch die Bezeichnung Albigenser (gelegentlich auch: Albingenser) nach der südfranzösischen Stadt Albi, eine ehemalige Katharerhochburg. Sie selbst nannten sich veri christiani (die wahren Christen), oder boni homines bzw. Bonhommes, (gute Menschen). Gebräuchlich waren zur damaligen Zeit auch die Bezeichnungen Patarener bzw. Pateriner.
Die Doktrin der Katharer in Südfrankreich (die "Reinen") war gekennzeichnet durch eine dualistische Lehre über das Gute und das Böse. Das Gute - Gotteswerk - war demnach die reine Welt des Geistes. Das Böse wurde nach katharischer Lehre vom Teufel erschaffen und umfasste alles Materielle in der Welt: die Erde, alle Güter, Gebäude und sogar den menschlichen Körper. Obwohl die einzelnen Interpretationen dieser Lehre sich sehr unterschiedlich entwickelten, ist die Doktrin in ihrer Gesamtheit leicht zu verstehen. Sie fand vielleicht auch deshalb sehr schnell viele Anhänger aus den unterschiedlichsten Schichten. Der generelle, und vom Glauben gestützte Verzicht auf Luxus, Reichtum und Vergnügungen bedeutete im alltäglichen Leben der Katharer weniger Arbeit. Die katholische Kirche verlor rasch an Einfluss, Macht und letztendlich an Einnahmen, da die Katharer in Südfrankreich kein "Zehntel" zahlten.
Der machtbewusste Papst Innozenz III. rief im Jahre 1209 - nach vorausgegangenen Konklaven und Disputen -zu einem Kreuzzug gegen die "Albigenser" auf, wie die Katharer oft nach einem ihrer vier Bischofssitze (Albi) genannt wurden. Kurz nachdem die französischen Könige den Krieg mit dem Angevinischen Reich erfolgreich beendet hatten, folgten sie im Glaauben an neuen Reichtum dem Ruf aus Rom und schickten ein 30.000 Mann starkes Heer unter der Leitung des Zisterzienser Arnaud Amaury ins Languedoc.
Die wichtigsten zwei Hochburgen der Katharer - Béziers und Carcassonne - wurden in den ersten 40 Tagen im Sturm genommen und der Vizegraf von Béziers, Carcassonne und Albi, Raymond Roger, wurde gefangen genommen. Neben dem "Zehenten", den es wieder einzutreiben galt, waren es vor allem auch die Ländereien der zahlreichen Adligendie sich den Katharern angeschlossen hatten und auf die es die katholische Kirche abgesehen hatte, und von denen sie einen Teil den Sldnern der Heere als Beute versprach. Ein weiterer Grunden war selbstverständlich auch die Rückeroberung des kirchlichen Einflusses im weltlichen Alltagsgeschehen.
Die Katharer flüchteten zuerst in nahegelegene Burgen (Queribus, Peyrepertus u.a.) und Städtchen wie z.B.Minerve und Homps. Schließlich verließen sie Frankreich um der Verfolgung der Inquisition zu entkommen. Der letzte große Zufluchtsort der Katharer in Frankreich war das Chateau de Montségur (siehe Bild oben). Am 2. März 1244 wurde auch diese Burg eingenommen und mehr als 200 Katharer fanden ihren Tod in den Flammen der Inquisition.
Viele Katharerburgen bzw. deren Überreste lassen sich im französischen Roussillion besuchen und anschauen. Wenn man weiss, dass es bei den Katharern bereits zu jener Zeit Rechte für Frauen gab, von denen selbst heute mancher Staat nur träumen kann, dann erscheint diese Gemeinschaft von lebensfrohen und gutherzigen Gläubigen selbst heute hoch interessant und für ihre Zeit geradezu revolutionär!
Frauen konnten in der katharischen Gemeinschaft frei Berufe wählen und selbst bestimmen, wen sie heirateten - der Grundsatz "Das Weib schweige in der Gemeinde" wurde von den Katharern - zum nachweislichen Wohlergehen ihrer Gemeinschaft - schlicht missachtet. Wir empfehlen jedem Katalonien-Reisenden daher sehr einen Besuch der alten Katharerburgen - und für den Strand oder für kuschelige Abende zu Hause in Deutschland: Lesen Sie einmal Bücher über diese fast 150 Jahre währende, aus Macht- und Geldgier zerstörte Entwicklung mitten in Europas Okzident, in Katalonien.
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